Freitag 13.09.2019

Trotz des Zwischenstopps in Wien verläuft unsere Anreise recht kurzweilig. Wir, das sind 9 Vorstandsmitglieder unseres Vereins Projekte des Herzens e.V. die sich auf den Weg gemacht haben, um sich vor Ort ein Bild über unsere Projekte in Kairo zu machen. Gegen 15:00 Uhr betreten wir den Kairoer Flughafen, an dem uns Werner, der schon ein paar Tage vorher angereist ist, herzlich begrüßt.
Da es Freitag, und damit muslimischer Sonntag ist, kommen wir relativ zügig mit dem Taxi voran und erreichen spätnachmittags unsere direkt unterhalb des Gizeh Plateaus gelegene Pension.

Mahmoud den wir schon aus früheren Reisen kennen, empfängt uns wieder mit seinem stets fröhlich und hilfsbereiten Wesen. Bald tritt er seinen einjährigen Wehrdienst an. Wohin Ihn dieser führen wird, weiss er noch gar nicht. Üblicherweise werden die Soldaten nach einer einmonatigen Grundausbildung in eine Kaserne oder in eine der vielen einsamen Grenzstationen gebracht, an der Sie dann ihren eintönigen und teils gefährlichen Dienst antreten. Die Bezahlung ist schlecht. Dies wird aber gerne in Kauf genommen, da Auslandreisen für junge Ägypter nur nach geleistetem Wehrdienst möglich sind. Zu seiner Hochzeit, die nach seiner Dienstzeit stattfinden soll, will Mahmoud uns alle einladen. Immer wieder stoßen wir während der Reise auf solche Gesten der Gastfreundschaft.

Unser Abendessen nehmen wir in einem in der Nähe gelegenen Restaurant ein. Mit Spannung erwarten wir den nächsten Tag, der uns zu Adel und seiner Familie führen wird, die wir mit unserem Verein seit längerem unterstützen.

 

Samstag 14.09.2019

Nach einem einfachen aber guten Frühstück treffen wir uns an der morgens schon sehr belebten Straßenkreuzung vor unserer Pension und erwarten Adel, der uns abholen möchte.
Seine Ankunft verzögert sich. Wir tauchen ein in den morgendlichen Rummel auf der Straße. Menschen, die sich in die Schlange vor dem Eingang zum Gizeh Plateau einreihen, Taxis die hupend auf sich aufmerksam machen, Pferdekutschen deren Lenker nach Kundschaft Ausschau halten und Frauen auf dem Weg zum Einkaufen. Alltag umfängt uns mit all seinen Gerüchen und Geräuschen.
Plötzlich taucht Adel auf. Lachend kommt er auf uns zu. Manche von uns sehen ihn zum ersten Mal. Die Begrüßung ist herzlich und gemeinsam machen wir uns zu Fuß auf den Weg zu seiner Familie. Er ist der alleinige Ernährer der Familie und verdient seinen kargen Lebensunterhalt als Souvenirverkäufer und Touristenführer auf dem Gizeh Plateau.

Aus breiten, stark befahrenen Straßen werden kleinere, aus löchrigem Asphalt wird gestampfter Lehm. Bald begegnet uns kein Tourist mehr.

Vorbei an Kiosken, deren Angebot spärlicher wird und an Müll, den die Stadt nicht abholen will oder kann führt uns der Weg durch den Alltag derjenigen Ägypter, die unter der amtierenden Regierung leiden. Stagnierende Löhne, hohe Arbeitslosigkeit, explodierende Strom-, Wasser- und Benzinkosten, hohe Lebensmittelpreise gesellen sich zu Perspektivlosigkeit und Wut über die Zustände. Immer wieder hören wir das in Gesprächen mit den Einheimischen. Man fühlt sich im Stich gelassen und belogen.
Wir werden Zeuge der rigorosen Politik des reaktionären Systems. Einige von uns machen Fotos der Umgebung.

Wir biegen rechts ab und sehen aus einem Hauseingang Kinder winken. Wir sind am Ziel. Der Empfang durch die 8 köpfige Familie ist überschwänglich. Obwohl nur Adel englisch spricht versteht man sich mit dem Rest der Familie auf Herzensebene. Durch unsere Unterstützung konnte die Familie nun den dringlich benötigten oberen Stock ausbauen und Fenster und Türen einsetzen.

Die Dankbarkeit ist groß, da die räumliche Enge im Parterre unerträglich wurde und sich die Situation nun bald entspannen wird. Freilich gibt’s noch einiges zu tun, so nehmen wir z.B. betrübt zur Kenntnis, dass das untere Stockwerk mittlerweile große Risse in den Wänden und tiefe Absenkungen des Bodens aufweist. Dies wird wohl eines unserer nächsten Projekte wie wir in kurzer Teambesprechung festhalten.
Man lädt uns zum Abendessen ein. Dies freut uns ungemein, wissen einige von uns doch um die exzellenten Kochkünste von Adels Frau.
Am Abend ist es dann soweit. Beschämt staunen wir über den reichlich gedeckten Tisch, der für die Familie wahrlich nicht selbstverständlich ist. Das Wenige das man hat teilt man gerne unter Freunden. Keine Kosten werden gescheut um uns die Dankbarkeit über die Anteilnahme an ihrem Schicksal zu zeigen. Weder vorher noch nachher haben wir in Ägyptens Restaurants besser gegessen als an diesem Abend bei Familie Adel.
Text: Hans-Peter Hawle, Fotos: Tobias Haas, Marcus Maier