Dienstag 17.09.2019

Besuch des Salam Centers

Wir wollen ein weiteres unserer Projekte, das ‘‘Salam Center‘‘ in einem anderen Müllviertel der Stadt besuchen. Da sich selbst unser ortskundiger Taxifahrer schwer tut es zu finden, schickt man uns ein Fahrzeug entgegen das uns am Treffpunkt abholt und uns bis ins Salam Center voraus fährt. Über Straßen, Sträßchen und letztlich Gassen, vorbei an Eselskarren durch dichten Verkehr rumpeln wir unserem Ziel entgegen.

Eine andere Welt!

Wir durchqueren das massive Tor und befinden uns auf dem Gelände des Centers. Eine andere Welt scheint uns zu empfangen, es ist ruhig und sehr sauber. Das Salam Center wurde von der koptisch christlichen Kirche vor ca 25 Jahren gegründet. Es umfasst ein Krankenhaus, diverse Schulen, Kindergärten und andere Betreuungsmöglichkeiten für die Menschen und deren Kinder, die in dem Viertel leben.

Schwester Maria steht einem Team von 27 Schwestern, 3 Novizinnen und zahlreichen anderen Mitarbeitern vor, die sich rührend um die Menschen kümmern, um die sich sonst keiner kümmert. Auch in diesem Kairoer Müllviertel leben die Menschen davon, Müll auszusortieren. Die Kinder müssen mitarbeiten, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Hier beginnt ein Teufelskreis. Ohne Mitarbeit der Kinder hungert die Familie. Ohne Schulbildung besteht keine Möglichkeit das Müllviertel aussichtsreich zu verlassen. Das Leben im Müll birgt darüber hinaus auch hohe gesundheitliche Risiken. Krankheiten und Fehl- oder Missgeburten sind an der Tagesordnung.

Schule, Tagesstätte und Behindertenbetreuung

Wir besuchen im Center verschiedene Schulkassen, Kindergärten und Einrichtungen für behinderte Kinder. Überall sind wir fasziniert von der Leistung des Personals, ihrer aufopferungsvollen Hilfe für die Kinder und Ihrem Willen etwas zu bewegen. Genauso beeindrucken uns die Kinder mit Ihrer Bereitschaft, sich Wissen anzueignen das Ihnen oder Ihren Familien irgendwann ein besseres Leben bescheren könnte. Große Überzeugungsarbeit muss hier durch Maria und Ihr Team geleistet werden, heisst es doch, die Eltern der Kinder von Sinn und Zweck einer Schulbildung zu überzeugen. Da dies nicht einfach ist bietet man den Kindern auch die Möglichkeit, pro Tag nur für 2-3 Stunden am Unterricht teilzunehmen, sodass wenigstens fundamentales Wissen vermittelt werden kann.

Nachhilfegruppen versuchen denjenigen Kindern, die staatliche Schulen im weiteren Umfeld des Centers besuchen beim Lernen behilflich zu sein. Für die Erwachsenen stellt das Center Ausbildungs- und Arbeitsplätze zur Verfügung, die den Menschen ein Auskommen sichern und helfen, ihr Selbstbewusstsein zu steigern. Besonders bewegend für uns sind die Besuche in den Arbeitsstätten für behinderte Menschen und die Betreuungsplätze für behinderte Kinder. Hier wird uns so viel Liebe entgegengebracht, dass sich mancher von uns fragt, wer hier eigentlich wen beschenkt.

Am frühen Nachmittag besprechen wir uns mit Schwester Maria und Dr Abd El Malek Ghali, einem langjährigen Arzt des Centers (mittlerweile in Rente) lange über unsere bisherigen Hilfeleistungen und mögliche weitere Projekte. Im Zuge dessen übergeben wir als Soforthilfe 1000 Euro samt zweier großer Taschen mit vielen Plüschtieren für die Kinder, die sonst so etwas nie bekommen würden. 

Das Gespräch führt uns auf den Plan des Centers, eine neue Küche einzurichten in der vor allem auch den Eltern der Kinder gesunde Ernährung sofern möglich vermittelt werden soll. Dieser Gedanke gefällt uns sehr, sodass wir beschließen, rasch über eine Fördermöglichkeit nachzudenken.

Weitere Ideen sind der Aufbau eines IT Raumes mit ca. fünf modernen Computern. Als großes Endziel sieht man die Errichtung einer Ausbildungsstätte für das künftige Personal des Centers. Dies und der dringend nötige Ausbau des Krankenhauses sind Ziele, die sich nicht von heute auf morgen realisieren lassen. Man ist sich jedoch nach eigenen Worten der Unterstützung Gottes sicher. Auch hier werden wir wieder einmal mit der Kraft des Glaubens konfrontiert was uns sehr bewegt.

Voller neuer Ideen, vielen Eindrücken und dem festen Bewusstsein, hier Gutes und Sinnvolles tun zu können verabschieden wir uns auf das Herzlichste von den beiden und treten unsere Rückfahrt in die Pension an.

Abendessen bei Adel

Am gleichen Abend finden wir uns wie versprochen bei Adel und seiner Familie ein. Auch diesmal überwältigt uns seine Gastfreundschaft. Man serviert uns alles in allem 27 Fische, die man köstlicher wohl nicht zubereiten könnte. Unter Dankesreden und Lobeshymnen auf seine Familie und Ihn genießen wir dankbar die Mahlzeit. Getrübt wird der Abend allerdings durch die Tatsache, dass Adel sich tagsüber den Fuß übel verstaucht und sein ältester Sohn sich ein Bein gebrochen und ein Knie schwer verletzt hat. Zu den entstandenen Krankenhauskosten addiert sich die vorübergehende Arbeitsunfähigkeit Adels. Er kann nicht zu seinem Arbeitsplatz laufen und verdient somit kein Geld für seine Familie. Versicherungen, die helfen könnten gibt es freilich keine. Dafür sind, gerade als wir bei Ihm sind, seine zwei Brüder mit Familien da um mit ihm über Hilfe zu beratschlagen. Inwieweit wir uns hier noch beteiligen können ist ungewiss, da wir kurz vor dem Besuch schon beschlossen haben, das Salam Center mit 5000 Euro für die neue Küche zu unterstützen.

Abschied von Adel und seiner Famile

Auch hier verabschieden wir uns also gleich wie in einer Achterbahn sitzend. Hin und her geworfen zwischen unterschiedlichen Gefühlen und Erfahrungen. Wir können nicht Allen und Jedem helfen. Was wir dem Einen geben fehlt dem Anderen. Unsere Gelder und Mittel sind begrenzt. Trauer umgibt uns angesichts dieser Tatsache. Umso mehr beschliessen wir, alles zu tun, um mehr Gelder zu erwirtschaften, die wir den Bedürftigen zukommen lassen können.

Mittwoch 18.09.2019

Reflexion und Cycling Geckos

Jeder nimmt sich heute die Zeit zur Ruhe zu kommen, nachzudenken oder noch das zu tun was man privat tun möchte.

Am Nachmittag treffen sich drei Mitglieder unserer Gruppe mit einer Repräsentantin der ‘‘Cycling Geckos‘‘. Hier werden verschiedene Möglichkeiten einer Zusammenarbeit diskutiert. Die Geckos liefern per Fahrrad selbst zubereitetes Essen an Bedürftige in Kairo aus. Sie stoßen damit natürlich bei strengen Muslimen auf Unverständnis, ist es doch Frauen untersagt zu arbeiten oder gar Fahrrad zu fahren. Die Geckos konfrontieren sich hier bei Ihrem Versuch, die Rolle der Frau in der ägyptischen Gesellschaft zu stärken auch mit der Politik und religiösen Kreisen. Bedachtes und vorsichtiges Handeln ist hierbei für Sie wie für uns Pflicht. Das Gespräch wird allgemein als Erfolg gewertet und weitere Schritte sollen unternommen werden.

Der Abend endet mit einem gemeinsamen Abendessen, der nächste Tag steht als letzter Tag des Aufenthaltes zur jeweiligen freien Verfügung.

Die Rückreise treten wir gemeinsam am Freitag an.

Text: Hans-Peter Hawle, Fotos: Tobias Haas, Marcus Maier